Als leidenschaftliche Kulturjournalistin und langjährige Bewohnerin des Ruhrgebiets verbringe ich viel Zeit in Plattenläden, Proberäumen und eben auch in Secondhand-Instrumentenläden. Gebrauchte Gitarren sind für mich oft die spannendsten Fundstücke: Sie haben Geschichte, Charakter und können mit wenig Geld sehr viel Klang bieten. In diesem Beitrag teile ich meine Erfahrungen: Welche Secondhand-Instrumentenläden entlang der Ruhr erschwingliche Wartung anbieten und wie ich selbst gebrauchte Gitarren prüfe, bevor ich sie kaufe.
Wo ich entlang der Ruhr günstige Wartung für Secondhand-Instrumente gefunden habe
Im Ruhrgebiet gibt es eine lebendige Szene an kleinen Musikläden, die neben Verkauf auch Reparaturen und Setups anbieten. Hier eine Auswahl von Läden, bei denen ich persönlich gute Erfahrungen gemacht habe — sowohl was faire Preise als auch handwerkliche Qualität betrifft.
- Musikhaus Berger (Essen) – Ein klassisches Fachgeschäft mit gutem Secondhand-Sortiment. Die Werkstatt dort macht Saitenwechsel, Intonation und kleine Setups zu moderaten Preisen. Besonders empfehlenswert: der Check des Halsprofils und der Sattelbearbeitung.
- Tonraum Dortmund – Klein, aber fein: Der Inhaber ist Gitarrist und nimmt sich Zeit für individuelle Beratung. Günstige Einstellarbeiten (Trussrod-Justage, Saitenlage) und preiswerte Elektronik-Checks.
- Plückers & Söhne (Mülheim an der Ruhr) – Bekannt für Vintage- und Secondhand-Gitarren. Die Werkstatt macht oft Komplettüberholungen zu akzeptablen Preisen; ideal, wenn die Gitarre etwas Pflege braucht.
- SecondSound Bochum – Ein Laden mit Fokus auf Gebrauchtinstrumente und Affordable-Service-Paketen. Gute Anlaufstelle für Einsteiger, die eine günstige Grundwartung wünschen.
- Akustikwerkstatt Oberhausen – Spezialisiert auf akustische Gitarren; Reparaturen wie Risse, F-Löcher und professionelle Saitenlagerungen werden hier oft günstiger angeboten als in großen Ketten.
Generell lohnt sich bei allen genannten Adressen ein Anruf vorab: Manche Werkstätten bieten vergünstigte Paketpreise (z. B. Saitenwechsel + Intonation + Grundreinigung) an, wenn das Instrument gleich mitgebracht wird. Ich frage dann meist nach einem Kostenvoranschlag und nach der Erfahrung des Technikers mit dem jeweiligen Gitarrentyp (E-Gitarre vs. akustische Gitarre, Vintage vs. moderne Bauweise).
Wie ich eine gebrauchte Gitarre vor Ort prüfe
Beim Kauf einer gebrauchten Gitarre verlasse ich mich auf Sichtprüfung, Haptik und vor allem Hören. Hier mein persönlicher Ablauf, den ich bei jedem Secondhand-Kauf durchgehe:
- Optischer Gesamteindruck: Suche nach Rissen, Reparaturspuren, Wasserflecken oder großen Dellen. Gerade bei akustischen Gitarren sind Risse und aufgequollenes Holz Alarmzeichen.
- Hals und Bundstäbchen: Ich halte die Gitarre waagerecht am Hals und prüfe die Geradheit. Ein leichtes Relief ist normal; starke Wölbungen oder durchgedrückte Stellen (Buzzing über mehrere Bünde) sind problematisch. Die Bundstäbchen sollten gleichmäßig sein und keine großen Kerben haben.
- Action und Saitenlage: Ich messe minimal mit dem Auge und dem Daumenabdruck: Sind die Saiten extrem hoch oder sehr dicht über den Bünden? Eine zu niedrige Saitenlage kann auf abgenutzte Bünde oder eine schlechte Einstellung hinweisen.
- Elektronik (bei E-Gitarren): Ich prüfe alle Potis, Schalter und die Klinkenbuchse. Knacken, Aussetzer oder kalte Lötstellen sind gängige Probleme. Ein kurzer Check mit Verstärker und verschiedenen Tonreglern zeigt viel.
- Saitenzustand und Geruch: Alte, rostige Saiten sagen nichts über den Klang aus, aber sie sind ein Hinweis auf Vernachlässigung. Starker Muff- oder Tabakgeruch kann auf lange Lagerung in nicht optimalen Bedingungen hindeuten.
- Stimmstabilität: Ich stimme die Gitarre und spiele einige Akkorde und Skalen. Hält sie die Stimmung, oder fliegt sie nach kurzer Zeit aus? Probleme können von Mechaniken, Sattel oder Wirbelaufhängung kommen.
- Klangtest: Ich spiele verschiedene Spielweisen (Fingerstyle, Strumming, mit Plektrum), um Obertöne, Sustain und Nebengeräusche zu beurteilen. Bei E-Gitarren teste ich den Klang über einen Verstärker mit unterschiedlichen Effekten.
Eine praktische Prüfliste (zum Ausdrucken)
| Prüfpunkt | Was ich überprüfe | Bemerkung |
|---|---|---|
| Äußere Schäden | Risse, Ausbeulungen, Reparaturspuren | Riss am Deckenrand = teure Reparatur |
| Hals | Geradheit, Relief, Zustand der Bundstäbchen | Trussrod-Zugriff prüfen |
| Saitenlage | Höhe an 1. und 12. Bund | Zu hoch = Setup nötig; zu niedrig = Buzz |
| Elektronik | Potis, Schalter, Buchse, Lautstärke/Ton | Störgeräusche deuten auf Lötarbeit hin |
| Mechaniken | Gängigkeit, Spiel, Rost | Schlechte Mechaniken = spätere Investition |
| Klang | Sustain, Balance, Obertöne | Subjektiv, aber sehr aufschlussreich |
Was ich bei Verhandlungen und Garantien beachte
Viele Secondhand-Läden bieten eine kurze Garantie oder Gewährleistung auf Gebrauchtware (z. B. 30 Tage). Ich frage immer nach: Gibt es eine Rückgabemöglichkeit, wenn sich später ein schwerwiegender Defekt zeigt? Manche Läden geben außerdem Rabatt, wenn man bereit ist, kleinere Reparaturen selbst zu übernehmen.
Wenn die Gitarre technische Probleme hat, lasse ich mir vom Verkäufer einen Rabatt einräumen oder verlange zumindest, dass er die wichtigsten Wartungsarbeiten vorher durchführt (z. B. Saitenwechsel, Intonation, Lockern/festen der Mechaniken). Bei Online-Käufen (z. B. Marktplätze) achte ich besonders auf detaillierte Fotos und bitte um ein kurzes Video, in dem die Gitarre angespielt wird.
Tipps zur Einsparung bei Wartung und Upgrades
- Nutze lokale Werkstätten: Oft günstiger als Markenketten und mit persönlicher Beratung.
- Setze Prioritäten: Erstmal Saitenwechsel, Intonation und Trussrod-Check; Lackarbeiten oder kosmetische Dinge können warten.
- Selbst kleine Wartungen lernen: Ein einfacher Saitenwechsel, das Einstellen der Saitenlage oder das Reinigen von Potis sind leicht erlernbar und sparen Geld.
- Kaufe gebrauchte, aber hochwertige Ersatzteile (z. B. gebrauchte Tuners von Gotoh oder Kluson) anstelle von Billigteilen.
Beim Kauf einer gebrauchten Gitarre geht es für mich neben dem reinen Preis immer um das Gefühl: Passt das Instrument zu mir, meinem Spiel und meinem Klangbild? Mit einer gründlichen Prüfung, dem richtigen Laden an der Ruhr und etwas Verhandlungsgeschick finde ich häufig Instrumente, die für kleines Geld großen musikalischen Wert liefern.