Ausstellungen in kleinen Galerien entlang der Ruhr sind für mich immer wieder wertvolle Bühnen: nah am Publikum, experimentell und oft mit viel Herzblut betrieben. Gleichzeitig stelle ich immer wieder fest, dass Künstlerinnen und Künstler sich schwer tun, angemessene Ausstellungs‑Honorare zu verhandeln — aus Angst, unkooperativ zu wirken oder die Chance zu verpassen. Hier teile ich meine Praxis und ganz konkrete Tipps, wie du fair vergütet wirst, ohne Türen zuzuschlagen.
Vorbereitung ist alles: Kenne deinen Markt und deine Kosten
Bevor ich in ein Gespräch gehe, rechne ich. Das heißt nicht nur Stunden x Honorar, sondern alle direkten und indirekten Kosten: Material, Rahmung, Transport, Versicherung, Einladungsdruck, Fahrten, Hängehilfe. Dazu kommt mein Stundensatz für Aufbau, Betreuung und Betreuung während der Ausstellungseröffnung. Wenn du diese Zahlen nicht kennst, wirst du dich verhandlungsbereit fühlen — oder im schlimmsten Fall unter Wert arbeiten.
Konkretes Vorgehen:
Sprache nutzen: Wie du deine Arbeit wertschätzt
Welche Worte du wählst, beeinflusst das Ergebnis. Statt defensiv zu sagen: „Ich nehme, was möglich ist“, formuliere klar und sachlich: „Mein Honorar für diese Art von Ausstellung liegt bei X, dafür sind folgende Leistungen inbegriffen…“ Zeige auf, was du konkret leistest — kuratorische Arbeit, Pressefotos, Social‑Media‑Posts, Hängung, Finissage — das schafft Verständnis für deinen Preis.
Beispiel‑Formulierung: „Für die Ausstellung stelle ich 8 Arbeiten, übernehme Hängung und Pressetext. Mein Honorar beträgt 600 €, zusätzlich Übernahme der Transportkosten.“
Flexibilität mit Grenzen: Pakete und Optionen anbieten
Gerade kleine Galerien haben oft wenig Budget, dafür aber viel Enthusiasmus. Ein guter Weg ist, verschiedene Pakete anzubieten:
So gibst du der Galerie Wahlmöglichkeiten, ohne deinen Wert zu verwässern. Wichtig: Das Basispaket sollte nie unter deinem Mindestbetrag liegen.
Leistung statt "Almosen": Honorare klar strukturieren
Ich empfehle, das Honorar transparent in Positionen aufzuschlüsseln: Ausstellungsgebühr, Transport, Hängung, Betreuung, PR/Medienarbeit, ggf. Workshop. Das hilft beiden Seiten, den Wert zu sehen. Wenn eine Galerie nur über begrenzte Mittel verfügt, kannst du einzelne Positionen reduzieren — aber niemals alle.
| Position | Beispielhöhe (kleine Galerie, Ruhr) |
|---|---|
| Ausstellungsgebühr | 300–800 € |
| Transport & Versicherung | 50–200 € |
| Hängung / Aufbau | 100–300 € |
| PR / Pressetext | 50–200 € |
| Workshop / Artist Talk | 100–300 € |
Diese Beträge sind Orientierungen — sie hängen von Umfang, Reputation und Region ab. Wichtig ist: Die Summe sollte deine Mindestkosten decken.
Verhandle mit Gegenleistungen, nicht mit deinem Preis
Wenn Budget knapp ist, bitte nicht sofort um weniger Honorar, sondern frage nach Gegenleistungen, die für dich Wert haben. Das können sein:
Solche Tauschgeschäfte können deine Arbeit angemessen ausgleichen, ohne deinen Preis zu untergraben.
Verträge: Klein, aber rechtssicher
Auch mit kleinen Galerien sollte ein schriftlicher Vertrag abgeschlossen werden. Ich nutze eine einfache Vorlage, die folgende Punkte enthält:
Eine klare Regelung verhindert Missverständnisse. Oft reicht ein E‑Mail‑Bestätigungsprotokoll, aber ich achte darauf, dass alle wichtigen Punkte schriftlich stehen.
Timing und Zahlungsmodalitäten
Bestehende Praxis: 30–50 % Vorauszahlung bei Zusage, Rest nach Eröffnung oder Ende der Ausstellung. Das schützt dich vor Kosten, die du bereits getragen hast. Wenn eine Galerie nur per Verkauf zahlen will, verhandle deutlich höhere Provisionen oder akzeptiere nur, wenn die Galerie nachweislich regelmäßige Verkäufe hat.
Netzwerk nutzen: Solidarität entlang der Ruhr
Ich habe erlebt, wie hilfreich es ist, lokale Kolleg*innen einzubinden. Künstlergruppen, professionelle Netzwerke oder Kulturvereine entlang der Ruhr können bei der Honorarfindung beraten und Standards setzen. Tausche dich aus — oft ergeben sich gemeinsame Lösungen wie geteilte Ausstellungsprojekte oder Kooperationen mit besseren Budgets.
Wenn du nein sagen musst
Es ist legitim, Angebote abzulehnen. Sag höflich aber bestimmt: „Danke für das Angebot. Aktuell kann ich zu den vorgeschlagenen Konditionen nicht ausstellen.“ Du kannst eine Alternative anbieten (z. B. ein Talk statt einer kompletten Ausstellung) oder einen späteren Termin vorschlagen, wenn das Budget besser ist. Nein zu sagen schützt deinen langfristigen Wert als Künstlerin oder Künstler.
Praktische Tools und Ressourcen
Für meine Kalkulationen nutze ich einfache Tools wie Google Sheets für Kostenübersichten und Wave oder Debitoor für Rechnungen. Für Verträge gibt es Muster bei Berufsverbänden wie dem BBK (Berufsverband Bildender Künstler) und Informationen zur Künstlersozialkasse (KSK). Nutze auch regionale Förderprogramme: Kommunale Kulturförderungen entlang der Ruhr unterstützen oft Ausstellungsproduktionen.
Wenn du willst, kann ich gerne meine einfache Vertragsvorlage und eine Kosten‑Excel an Interessierte weitergeben — schreibe mir über das Kontaktformular auf Kulturzentrum Ruhraue. Austausch und Transparenz stärken uns alle: Nur so bleibt die Kulturszene entlang der Ruhr lebendig und fair.