Als jemand, die täglich zwischen Konzerten, Ausstellungen und Hinter-den-Kulissen-Gesprächen unterwegs ist, stoße ich immer wieder auf die gleiche Frage: Wie finde ich diese vermeintlich „versteckten“ Förderprogramme für freie Künstlerinnen und Künstler rund um die Ruhraue – und wie schreibe ich eine Bewerbung, die wirklich überzeugt? Hier teile ich meine erprobten Wege, konkrete Adressen und praktische Tipps, damit du Förderchancen nicht mehr übersiehst und deine Förderungschancen maximierst.

Wo ich zuerst suche: lokale Quellen, die oft übersehen werden

Beginne mit den Stellen, die nah sind – sie sind oft weniger kompetitiv und haben spezifische Mittel für unsere Region:

  • Stadt- und Bezirkskulturämter (z. B. Kulturamt deiner Stadt entlang der Ruhr)
  • Lokale Kulturstiftungen und Sparkassenstiftungen: Viele Sparkassen in der Region vergeben Projektmittel oder Stipendien für Kulturprojekte.
  • Kirchliche Träger und Bürgerstiftungen: Sie fördern oft kleinere, gemeinwohlorientierte Projekte.
  • Regionale Netzwerke wie RuhrKunstMuseen, lokale Kulturvereine oder Stadtteilbüros – melde dich in deren Newslettern an.
  • Ich überprüfe regelmäßig die Websites der Städte entlang der Ruhr (Oberhausen, Duisburg, Essen, Mülheim etc.) und abonniere deren Newsletter. Oft stehen Ausschreibungen nur kurzfristig online – ein Newsletter oder RSS-Feed spart dir das tägliche Nachschauen.

    Landes- und Bundesprogramme, die man kennen sollte

    Nachdem ich mich lokal orientiert habe, schaue ich auf Ebene des Landes NRW und des Bundes. Einige Programme sind bekannt, andere sind zeitlich begrenzt oder thematisch eingegrenzt:

  • NRW Kultursekretariat und Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW – Projektförderungen, Produktionsförderung, Stipendien.
  • NEUSTART KULTUR (Bundesförderung) – immer wieder Ausschreibungen für freie Szene, Künstlersoforthilfen, Produktionsförderung.
  • Kulturstiftung des Bundes – größere, oft themenbezogene Projekte mit hohem Projektentwicklungsgrad.
  • Stipendienprogramme (z. B. Künstlerhäuser, Stipendien der Kunststiftungen) – oft für einzelne Künstlerinnen und Künstler.
  • Ich selbst habe die Newsletter dieser Institutionen abonniert und gelegentlich Google Alerts zu Begriffen wie „Künstlerförderung NRW“ eingerichtet. So verpasse ich keine neuen Calls.

    Stiftungen, private Fonds und thematische Ausschreibungen

    Viele kleinere Stiftungen und Unternehmensförderungen sind nicht prominent beworben. Mein Tipp: recherchiere Stiftungen lokal und thematisch - etwa für Musik, Theater, Fotografie oder Soziokultur. Tools wie Stiftungsfinder oder die Datenbanken von Kulturverbänden helfen dabei.

  • Unternehmensstiftungen (z. B. Thyssen, RAG-Stiftungen) – oft regional fokussiert.
  • Spezialfonds für Kinder- und Jugendprojekte, Inklusion oder Stadtraumprojekte – ideal, wenn dein Projekt einen sozialen Mehrwert hat.
  • EU-Kleinprojekte oder Interreg-Fonds – wenn dein Vorhaben grenzüberschreitend oder regional vernetzend ist.
  • Wo die „versteckten“ Programme wirklich lauern

    Das sind die Orte, die ich täglich checke, weil sie oft wenig beworben, aber leicht zugänglich sind:

  • Kommunale Kulturentwicklungspläne und Haushaltsbeschlüsse – dort stehen oft Mittel, die nicht regelmäßig ausgeschrieben werden, aber auf Anfrage verfügbar sind.
  • Beiratssitzungen von Kulturvereinen: Wenn du persönlich teilnimmst, erfährst du früh von Ausschreibungen.
  • Kooperationsangebote von Kulturorten: Manche Clubs, Kulturzentren oder Museumsverbünde haben offene Projektfenster.
  • Lokale Stiftungen mit regionalem Fokus - ihre Ausschreibungen sind manchmal nur auf der regionalen Website dokumentiert.
  • Wie ich meine Bewerbung vorbereite

    Eine gute Bewerbung beginnt lange vor dem Absenden. Ich lege mir eine Standard-Mappe mit Bausteinen an, die ich je nach Ausschreibung schnell anpassen kann:

  • Aktuelles Projekt-Exposé (1–2 Seiten): Thema, Zielgruppe, geplantes Ergebnis, Zeitplan.
  • Professionelles Portfolio / Arbeitsproben: Fotos, Videos, Klangbeispiele – idealerweise online (SoundCloud, Vimeo, eigene Website).
  • Kurzlebenslauf (1 Seite) + künstlerischer Werdegang (erweiterbar).
  • Budgetplan (transparent und realistisch): Honorar, Material, Raummiete, Technik, Reisekosten, Nebenkosten.
  • Finanzierungsplan: Welche Mittel sind bereits gesichert? Welche fehlen noch? (Eigenanteil, Sponsoren, weitere Förderungen)
  • Referenzen und Empfehlungsschreiben (wenn vorhanden).
  • Ich formuliere das Exposé so, dass es auch ein nicht-kultureller Leser versteht – jurorinnen sind oft fachübergreifend. Eine klare Sprache und ein prägnanter Elevator Pitch helfen enorm.

    Tipps zum Budget – ein kleines Beispiel

    Ein klar strukturiertes Budget zeigt Professionalität. Hier ein vereinfachtes Muster, das ich oft nutze:

    PostenBetrag (€)
    Honorar Künstler/in1.200
    Material / Requisiten300
    Raummiete / Technik400
    Werbung / Druck150
    Reisekosten100
    Sonstiges / Puffer (5%)120
    Gesamt2.270

    Ich notiere neben jedem Posten eine kurze Begründung („Warum 400 € Technik?“), das wirkt vertrauenswürdig und nachvollziehbar.

    Formales, das oft übersehen wird

    Die kleinen Dinge entscheiden mit:

  • Achte auf die Einhaltung von Fristen und Formatvorgaben (PDF, max. 10 Seiten etc.).
  • Beschrifte Dateien eindeutig (Nachname_Projektname_Budget.pdf).
  • Gib bei Anträgen deine Bankverbindung korrekt an und prüfe, ob Selbständigkeit/Steuernachweis erforderlich sind.
  • Manche Förderer verlangen ein kurzes Künstlerprofil für ihre Homepage – halte ein kurzes Text- und Bildformat bereit.
  • Wie ich Bewerbungen präsentiere: Ton und Strategie

    Ich verfolge eine Dreiteilung: klar, persönlich, konkret.

  • klar: Was ist das Ziel? Was wird sichtbar, was ändert sich?
  • persönlich: Warum du? Welchen Zugang hast du zum Thema? Kurze Anekdote oder Praxisbeispiel hilft.
  • konkret: Welche Meilensteine gibt es? Welche Ergebnisse? Wie wird überprüft (Dokumentation, Ausstellung, Publikation)?
  • Wenn möglich, nenne messbare Ergebnisse (Anzahl Workshops, Besucherzahlen, Ausstellungsdauer). Das macht deinen Antrag greifbarer.

    Netzwerken als Förderstrategie

    Fördermittel entstehen oft aus Beziehungen. Ich investiere Zeit in folgende Aktivitäten:

  • Besuche Vernissagen, Künstlergespräche und lokale Beiratssitzungen.
  • Knüpfe Kontakte zu Kuratorinnen, Kulturreferentinnen und Vereinsvorständen.
  • Kooperiere mit Bildungsträgern (Schulen, Jugendzentren) – solche Kooperationen erhöhen Förderchancen.
  • Ein konkreter Tipp: Lade eine/n Kulturbeauftragte/n auf einen Probedurchlauf oder eine Arbeitsprobe ein. Direkter Kontakt wirkt oft überzeugender als die 15. Mail.

    Aftercare: Berichterstattung und nachhaltige Beziehungen

    Wenn die Förderung bewilligt wurde, endet die Arbeit nicht mit der Auszahlung. Gute Berichterstattung erhöht die Chance auf Folgeförderung:

  • Halte Fristen für Verwendungsnachweise und Reports ein.
  • Dokumentiere mit Fotos, kurzen Videos und einem Abschlussbericht.
  • Bedanke dich schriftlich bei Förderern und biete eine Einladung zur Abschlussveranstaltung an.
  • Ich habe so schon wiederholt Folgeförderungen oder Weiterempfehlungen erhalten – Förderer erinnern sich an verlässliche Projektpartnerinnen.

    Wenn du magst, kannst du mir kurz dein Projekt-Exposé schicken (Kontaktformular auf kulturzentrum-ruhraue.de) – ich schaue gern drüber und gebe Feedback zu Struktur, Budget und Fördersuche. Vor Ort bei einer Veranstaltung spreche ich auch gerne persönlich mit dir darüber.