Pop-up-Fotoausstellungen sind für mich eine der schönsten Arten, Fotografie unmittelbar erlebbar zu machen: kurzlebig, flexibel und oft überraschend persönlich. Beim Kulturzentrum Ruhraue haben wir in den letzten Jahren einige temporäre Ausstellungen realisiert — von Soloshows junger Fotograf:innen bis zu thematischen Gruppenausstellungen. In diesem Beitrag teile ich meine Erfahrungen zu den drei Kernfragen, die mir am häufigsten gestellt werden: welche Kontakte du brauchst, welche Hängesysteme sinnvoll sind und wie du eine Ticketstrategie erschaffst, die Publikum anzieht, aber niedrigschwellig bleibt.
Wichtige Kontakte: Netzwerk, Behörden, Dienstleister
Eine Ausstellung steht und fällt mit dem Netzwerk. Hier die Menschen und Institutionen, die du frühzeitig einbinden solltest:
Kontakt im Kulturzentrum oder Veranstaltungsort: Verantwortliche für Raumvermietung, Technik und Hausordnung. Beim Kulturzentrum Ruhraue empfehle ich, den Raumbelegungsplan früh zu klären und mögliche Termine modular anzulegen.Kuratorische Beratung oder Mentor:innen: Jemand mit Ausstellungs- oder Museums-Erfahrung kann helfen, Ausstellungsfluss und Hängung zu überprüfen.Techniker:innen / Elektriker: Für Licht, Zwischenstecker, evtl. zusätzliche Stromkreise — vor allem bei größeren, lichtempfindlichen Formaten.Versicherung/Transportdienstleister: Für hochwertige Prints lohnt sich eine Transportversicherung und ein verlässlicher Kurier. Für regionale Fahrten nutze ich oft kleine Kunsttransporte, für weite Strecken Speditionen mit Kunstspeditions-Erfahrung.Grafikdesigner: Für Einladung, Poster, Social-Media-Motive und Beschilderung.PR & Social-Media-Kontakte: Lokale Kulturredaktionen, Stadtmagazine, Instagram-Accounts der Umgebung (z. B. @ruhrkultur), Newsletterpartnerschaften.Ticketing-Anbieter: Eventbrite, Reservix oder einfache PayPal-/Stripe-Links, je nach Zielpublikum.Ein Tipp: Leg dir eine einfache Google-Kontaktliste an, in der du Name, Funktion, Telefonnummer, E-Mail und bevorzugte Kommunikationsform sammelst. Wenn du das nächste Mal einen Ausstellungsaufbau planst, sparst du dir damit viel Zeit.
Hängesysteme: flexibel, sicher, ästhetisch
Die Wahl des Hängesystems bestimmt die Optik und die Geschwindigkeit, mit der du eine Ausstellung umhängen kannst. Hier meine bewährten Optionen:
Galerieschienen (Kassetten-/Schienensystem): Marken wie Artiteq oder Nielsen bieten modulare Schienensysteme, die an der Decke oder Wand montiert werden. Vorteil: schnelle Höheänderung durch Seile/Drähte, sauberer Look, mehrfach nutzbar.Seilsysteme und Klemmen: Für Pop-ups in denkmalgeschützten oder gemieteten Räumen sind dünne Stahlseile mit verstellbaren Klemmen ideal — sie hinterlassen wenig Spuren und sind sehr flexibel.Haken & Nägel in Holzrahmen: Wenn Wände bohrbar sind und du mit leichten Rahmen arbeitest, reicht oft eine gut geplante Hakenreihung. Vorteil: günstig, schnell. Nachteil: nicht so sauber wie Schienensysteme.Freistehende Stellwände: Sehr nützlich in großen Hallen oder bei Ausstellungen, die keine Wandflächen nutzen wollen. Oft kannst du diese beim Kulturzentrum Ruhraue mieten — frage rechtzeitig an.Magnetische Systeme: In einigen modernen Locations gibt es magnetische Paneele, die Poster und leichte Alu-Kupferplatten halten. Perfekt für schnelle Wechsel.Zu beachten ist das Gewicht der Werke: Bei großen Metallrahmen oder schweren Alu-Dibond-Platten brauchst du spezifische Dübel und belastbare Schienen. Ich empfehle immer, die maximale Traglast der Schiene zu prüfen und bei Unsicherheit ein Technik-Team mitzubringen.
Licht & Präsentation: Szenografie, Abstand, Beschilderung
Gute Hängung beginnt mit Licht. Hier ein paar Prinzipien, die ich bei jeder Ausstellung anwende:
Vermeide direktes, flackerndes Deckenlicht. Setze auf gerichtete Spots mit Dimmer.Sorge für gleichmäßige Ausleuchtung jeder Arbeit (ca. 200–300 lux für Prints, weniger für empfindliche Fotografien).Beachte Reflexionen: Entspiegelte Glasscheiben oder Acrylglas verhindern störende Lichtreflexe.Lass Zwischenräume zwischen Bildern — Augen brauchen „Pausen“. Als Richtwert 10–20 cm zwischen kleineren Arbeiten, größere Formate brauchen mehr Raum.Beschriftungen: Sauber gedruckte Labels (Titel, Jahr, Technik, Preis/Verkaufshinweis) in einheitlicher Typografie erhöhen die Professionalität. QR-Codes für weiterführende Informationen funktionieren sehr gut.Ticketstrategien: kostenlos, Pay-what-you-want oder Eintritt?
Die Ticketstrategie hängt stark vom Ziel: Reichweite aufbauen, Verkäufe generieren oder Exklusivität schaffen. Bei Pop-ups im Ruhrgebiet haben sich mehrere Modelle bewährt:
Kostenlos mit Spendenbox: Sehr niedrigschwellig, ideal um viele Menschen in den Raum zu bringen. Kombiniere dies mit einem digitalen Spendenbutton für Besucher:innen, die per Karte zahlen möchten.Pay-what-you-want (PWYW): Besucher:innen zahlen freiwillig einen Betrag. Dieses Modell erhöht oft die Verweildauer und die Bindung. Es eignet sich besonders bei Community- oder thematischen Ausstellungen.Festpreis für Special-Events: Für Vernissagen, Kuratorenführungen oder Workshops kannst du separate Tickets (z. B. 5–12 €) verlangen. Das reduziert Überfüllung und generiert Mittel für Catering oder Künstlerhonorare.Vorverkauf vs. Abendkasse: Biete eine kleine Anzahl vergünstigter Vorverkaufstickets über Eventbrite/Reservix an, um Anmeldungen zu sichern. Für spontane Besucher:innen halte ein paar Tickets an der Abendkasse bereit.Mitgliedertarife & Rabatte: Wenn du mit lokalen Kulturvereinen zusammenarbeitest, biete Rabatte für Mitglieder oder Kulturkarte-Inhaber an — das schafft Partnerschaften.Ein wichtiger Punkt: Kommunikation. Erkläre auf der Veranstaltungsseite (z. B. auf https://www.kulturzentrum-ruhraue.de) klar, welche Tickets wofür gelten. Nutze Social Media für Limited-Offers (z. B. "erstes Wochenende kostenlos") — das erzeugt Dringlichkeit.
Budgetbeispiel: einfache Pop-up-Ausstellung
| Posten | Typischer Betrag |
| Raummiete (2 Wochen) | 300–800 € |
| Drucke & Rahmen (10 Arbeiten) | 600–1.500 € |
| Hängesystem / Leihmaterial | 100–400 € |
| Marketing (Poster, Social Ads) | 100–300 € |
| Vernissage (Getränke, Snacks) | 100–250 € |
| Versicherung / Transport | 100–400 € |
Für viele Pop-ups findest du Wege, Kosten zu senken: Kooperationen mit Druckstudios, Materialspenden von Rahmenherstellern oder Ehrenamtliche, die beim Aufbau helfen.
Vernissage & Vermittlung: Publikum einbinden
Die Eröffnung ist mehr als ein Empfang — sie setzt Ton und Publikumserwartung. Meine Empfehlungen:
Kurze Einführung (5–10 Minuten): Ein Kommentar zur Auswahl und ein Dank an Förderer schafft Kontext.Workshops oder Talks während der Ausstellungsdauer: Foto-Talks, Druck-Workshops oder Führungen ziehen wiederkehrende Besucher:innen an.Gästebuch oder digitales Feedback via QR-Code: So sammelst du Kontakte und Meinungen.Wenn du möchtest, unterstütze ich gern bei der Erstellung eines Ablaufplans oder einer Checkliste für Aufbau/Abbau. Die Erfahrungen vom Kulturzentrum Ruhraue zeigen: Gute Planung, klare Kommunikation und ein ästhetisch stimmiges Hängesystem machen aus einem kurzfristigen Pop-up ein Erlebnis, das Besucher:innen noch Wochen später im Kopf behalten.